13. Dezember 2019

Alles fließt: Bewegung im Foto einfangen

Alles fließt:
Bewegung im Foto einfangen

Als kreative Lichtmalerei oder Aufnahme eines Sportevents – Bewegung lässt sich ganz unterschiedlich auf Fotos festhalten. Das erfordert aber Fingerspitzengefühl: Hier erfahren Sie einfache Tipps, wie Sie Wasser, Sportler und Tiere aufs Foto bannen.

Aufnahmen, die Bewegung festhalten.

So fangen Sie Bewegung gestochen scharf ein

Die Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit in Kombination mit ISO-Wert und Blende bestimmen die Helligkeit des Fotos. Die Belichtungszeit legt fest, wie lange der Verschluss der Kamera offen bleibt. Somit ist sie maßgebend dafür, ob eine Aufnahme verwackelt ist und wie stark verwischt, wenn Objekte in Bewegung abgelichtet werden.

In der Kürze liegt die Würze

Möchte der Fotograf ein möglichst scharfes Bild der Bewegung erzielen, muss er eine möglichst kurze Verschlusszeit einstellen. Dadurch friert das Objekt auf dem Bild ein. Befinden sich Lebewesen in einer Position, die nur in einer Bewegung stattfinden kann, erkennt man die Bewegung trotzdem sofort. Bei Objekten wie Autos wird die Bewegung aus dem Kontext erschlossen.

Wie erreicht man kurze Verschlusszeiten?

Die Verschlusszeit ist von den gegebenen Lichtverhältnissen, verwendetem Equipment und Kameraeinstellungen abhängig. Möchte man möglichst kurze Verschlusszeiten erreichen, so sollte dafür gesorgt werden, dass die Belichtung an die Situation angepasst ist. Hier kommen die Parameter Blende (Lichteinfall) und ISO-Zahl (Lichtempfindlichkeit) ins Spiel. Eine weit offene Blende bzw. kleine Blendenzahl und eine erhöhte ISO-Zahl sorgen für mehr Helligkeit. Diese Parameter können manuell oder automatisch eingestellt werden.

Aber Achtung! Eine weit geöffnete Blende sorgt für eine größere Schärfentiefe und lässt den Hintergrund stark verschwimmen, wodurch nur das fokussierte Objekt scharf erscheint. Eine zu hohe ISO-Zahl hingegen sorgt für Rauschen im Bild, wodurch das genaue Gegenteil erreicht wird: Das gesamte Bild wird unscharf.

Je nachdem, wie schnell sich das Motiv bewegt, muss die Belichtungszeit unterschiedlich gewählt werden. Hier sind einige Richtwerte für verschiedene Situationen und Bewegungen:

  • Gewässer: ½s
  • Wasserfall: 1/10s
  • Gehende Menschen: 1/125s
  • Auto: 1/250s
  • Schwimmer: 1/500s
  • Wassertropfen: 1/500s
  • Spielende Kinder oder Hund beim Herumtrollen: 1/500s
  • Jogger, Läufer bei Sportevent: 1/800s

Equipment für alle Fälle

Zusätzlich zu der Belichtungszeit ist passendes Equipment wichtig. Grundlage ist die Wahl der richtigen Kamera und des Objektivs. Ab einer Belichtungszeit von einer Viertelsekunde brauchen Sie zudem Maßnahmen gegen Verwacklung. Ein Stativ hilft ebenso wie Stabilisierungstechniken in Objektiv oder Kamera. Auch ein stabiler Stand des Fotografen bzw. eine feste Auflagefläche für die Kamera kann für bessere Ergebnisse sorgen. Zusätzlich verhindern Fern- oder Zeitauslöser weitere Erschütterungen.

Extra-Tipp: Bei besonders schnellen Objekten hilft es zudem, die Kamera während der Aufnahme mit dem Objekt mitzuziehen. Dazu hält der Fotograf das Motiv von Anfang an im Fokus, passt die Verschlusszeit an die Geschwindigkeit an und fokussiert das Objekt automatisch oder manuell.

So bringen Sie mit verwischter Bewegung Dynamik ins Bild

Durch starke Helligkeitsveränderungen entsteht eine längere Belichtungszeit bzw. Verschlusszeiten. Lange Verschlusszeiten führen zu Unschärfe bei Motiven in Bewegung. Dieser Wischeffekt wird von Fotografen beispielsweise gerne genutzt, um ihre Bilder künstlerisch aufzuwerten und Dynamik zu vermitteln.

Neben der Verschlusszeit hat auch die Geschwindigkeit des Objekts Einfluss auf die Schärfe der Darstellung. Der Wischeffekt kann so sehr verstärkt werden, bis das Objekt auf dem Bild verschwindet. Besonders beeindruckend ist dieser Effekt bei Dunkelheit, wenn die lange Öffnung des Verschlusses dabei hilft, die Bewegung des Lichts einzufangen.

Achten Sie bei Langzeitbelichtung auf Verwacklungen. Mit dem richtigen Equipment (siehe oben) bekommen Sie aber auch das in den Griff.

Gute Motive für eine Langzeitbelichtung sind bewegtes Wasser (Flüsse, Wasserfälle, Wellen) oder belebte Orte. Für dunkle Szenen und „Lichtmalerei" bieten sich noch Straßenverkehr und Wunderkerzen an. Für abwechslungsreichere Aufnahmen kann ein ruhendes Objekt als Fixpunkt dienen: beispielsweise ein großer Stein neben einem Wasserfall.

Extra-Tipp: Bei Tageslicht führt eine Langzeitbelichtung oft zu Überbelichtung. Hierbei hilft ein Graufilter, der vor das Objektiv geschraubt wird und die Szenerie abdunkelt.

Üben Sie – mit einem Ball!

Objekte in Bewegung fotografieren sich nicht aus dem Handgelenk. Nehmen Sie einen Ball – ein Tischtennis-Exemplar reicht aus – und fotografieren Sie ihn bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Verschlusszeiten während er rollt. Bewegen Sie dabei die Kamera mit. Experimentieren Sie – mit Techniken wie seitlichem Mitziehen, diagonalem Schwenk, freier Führung oder Zoomen im Sucher. Durch diese Übung bekommen Sie ein Gefühl dafür, welche Einstellungen für Ihre Ziele die richtigen sind und welche Effekte dadurch entstehen.