28. Januar 2022
Smartphone gegen Kamera: Was ist besser?
Ob iPhones oder Smartphones von OnePlus, Huawei, Xiaomi, Google und Co.: Sie alle fotografieren immer besser. Warum es trotzdem nicht an der Zeit ist, Digitalkameras zu beerdigen? Wir haben verglichen.
Sieben von zehn Deutschen machen ihre Urlaubsfotos mit ihrem Smartphone. Eher als die digitale Kompaktkamera kommt sogar noch das Tablet zum Einsatz. Das sind die Ergebnisse einer reprĂ€sentativen Studie des IT-Verbands BITKOM. Klar: Das Smartphone ist immer dabei, sehr leicht, klein und seit dem Wegfall des Roamings in Europa nahezu immer online. Plus: Die BildqualitĂ€t ist so gut, dass sie billige Kompaktkameras um 200 Euro ĂŒberflĂŒssig gemacht haben. Zu hochwertigeren Kompaktkameras oder gar digitalen Spiegelreflex-Kameras gibt es dennoch groĂe Unterschiede in Sachen Akkulaufzeit, Bedienung, BildqualitĂ€t, Lichtempfindlichkeit, TiefenschĂ€rfe und Zoom.
1. Die Akkulaufzeit
Der Kamera-Akku ist in der Regel deutlich leistungsfÀhiger als der eines Smartphones. Hinzukommt Zusatz-Power durch Wechselakkus. Eine Powerbank kann da nur begrenzt mithalten.
2. Die Bedienung
Auch wenn mit Smartphone-Apps vieles nachtrĂ€glich am Bild bearbeitet werden oder gar die FunktionalitĂ€t der Kamera um Langzeitbelichtung, RAW-Aufnahmen oder Ă€hnliches erweiterbar ist: An die Vielfalt der Einstellungen einer sehr guten Kompakt- oder Spiegelreflexkamera kommt das Smartphone nicht heran â egal ob fĂŒr Nachtaufnahmen, PortrĂ€tfotos mit verschwommenem Hintergrund, Sport-Bilder oder Ă€hnliches.
3. Die BildqualitÀt
Der Foto-Sensor einer Kamera ist mindestens drei Mal so groĂ wie der in einem Smartphone. Je gröĂer der Sensor, desto höher die Lichtleistung, der Farbbereich und damit auch die BildqualitĂ€t.
4. Die Lichtempfindlichkeit
Zum kleinen Sensor des Smartphones kommt eine im Vergleich zur Kamera kleine Linse dazu. Sprich: Sind die LichtverhÀltnisse schlecht, wird das Bild beim Smartphone dank smarter Software automatisch aufgehellt. So ist schwarz dann nicht mehr wirklich schwarz: Es rauscht und ist verpixelt. ISO-Werte kann man beim Smartphone naturgemÀà nicht einstellen, anders als bei der Kamera. Zum Vergleich: Der Wert ISO 100 bei einem Smartphone rauscht um den Faktor mehr wie der Sensor klein ist. Beispiel: Eine Profi-Vollformatkamera hat einen Sensor, der 21 Mal so groà ist, wie der Hauptsensor des Huawei P30 Pro. ISO 100 rauscht bei diesem GerÀt also so wie ISO 2100 bei der Kamera.
5. TiefenunschÀrfe
Jeder kennt und liebt es: Eine PortrĂ€t-Aufnahme wirkt besonders eindrucksvoll, wenn die Person gestochen scharf und der Hintergrund leicht verschwommen ist, dem Bild aber etwas Struktur gibt. Eine solche TiefenunschĂ€rfe ist mit einem Smartphone nahezu nicht möglich. Die TiefenschĂ€rfe hĂ€ngt von SensorgröĂe, Abstand zum Motiv, Brennweite und Blendenzahl ab. Beim Smartphone ist der Sensor klein, die Brennweite fix und die Blendenzahl vergleichsweise klein.
Je gröĂer Sensor und Brennweite, desto mehr UnschĂ€rfe kann ins Bild. Bei der Blendenzahl ist es genau andersherum: Je kleiner, desto gröĂer die TiefenunschĂ€rfe.
Das iPhone 7 hat eine Blendenzahl von f1,8 â also vergleichsweise klein, dennoch ist TiefenunschĂ€rfe schwierig; der Sensor ist klein und die Brennweite ist dank fehlenden optischen Zooms klein.
6. Die Brennweite
Smartphone haben in der Regel eine fixe Brennweite â also keinen optischen, sondern einen digitalen Zoom. Dabei wird nur ein Bildausschnitt per Software vergröĂert. Wichtige Details im Bild gehen verloren. Moderne Smartphones besitzen daher mittlerweile mehrere Kameras mit unterschiedlichen, fixen Brennweiten. Bei dreien ist etwa eine fĂŒr Weitwinkel, eine fĂŒr den Normalbereich und eine als Tele im Einsatz. Das ist zwar kein durchgehender Zoom, aber immer noch besser als gar kein optischer Zoom. Alle solchen Smartphones können mehrere Bilder kombinieren, also zusammenrechnen. So kann ein wenig UnschĂ€rfe entstehen â etwa im PortrĂ€tmodus: Das Teleobjektiv fokussiert auf den Kopf, das Weitwinkelobjektiv kĂŒmmert sich um den Hintergrund. Die Software rechnet beide Bilder zusammen und macht den Hintergrund unscharf (âBokeh"-Effekt). Das sieht auf kleinen Monitoren gut aus, ist aber dennoch ein groĂer Unterschied zu Aufnahmen mit einer Kamera: Wenn man ganz genau hinschaut und etwas reinzoomt, sieht man bei Smartphones, dass die Aufnahmen im Vergleich zu Kamera-Fotos insgesamt unschĂ€rfer und flacher sind.
Bei Videos funktioniert dieser Effekt nicht, dazu reicht die Rechenleistung des Smartphones nicht aus.
Fazit: Welche Kamera fĂŒr welchen Zweck?
Ob Smartphone oder Kamera hĂ€ngt von vielen Faktoren ab â etwa davon, wie hoch die eigenen AnsprĂŒche an die Fotos sind oder wie groĂ das Budget ist. Geht es einem eher um SchnappschĂŒsse oder Panorama-Aufnahmen ohne intensive Nachbearbeitung, die auf Instagram und Co. geteilt werden, spricht alles fĂŒr ein Smartphone mit guter Kamera. Sollen es detailgetreue Aufnahmen bei bestimmten Lichtstimmungen sein, ist eine digitale Spiegelreflexkamera die einzig richtige Wahl.
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