11. August 2019

Smartphone gegen Kamera: Was ist besser?

Smartphone gegen Kamera: Was ist besser?

Ob iPhones oder Smartphones von OnePlus, Huawei, Xiaomi, Google und Co.: Sie alle fotografieren immer besser. Warum es trotzdem nicht an der Zeit ist, Digitalkameras zu beerdigen? Wir haben verglichen.

Sieben von zehn Deutschen machen ihre Urlaubsfotos mit ihrem Smartphone. Eher als die digitale Kompaktkamera kommt sogar noch das Tablet zum Einsatz. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Studie des IT-Verbands BITKOM. Klar: Das Smartphone ist immer dabei, sehr leicht, klein und seit dem Wegfall des Roamings in Europa nahezu immer online. Plus: Die Bildqualität ist so gut, dass sie billige Kompaktkameras um 200 Euro überflüssig gemacht haben. Zu hochwertigeren Kompaktkameras oder gar digitalen Spiegelreflex-Kameras gibt es dennoch große Unterschiede in Sachen Akkulaufzeit, Bedienung, Bildqualität, Lichtempfindlichkeit, Tiefenschärfe und Zoom.

1. Die Akkulaufzeit

Der Kamera-Akku ist in der Regel deutlich leistungsfähiger als der eines Smartphones. Hinzukommt Zusatz-Power durch Wechselakkus. Eine Powerbank kann da nur begrenzt mithalten.

2. Die Bedienung

Auch wenn mit Smartphone-Apps vieles nachträglich am Bild bearbeitet werden oder gar die Funktionalität der Kamera um Langzeitbelichtung, RAW-Aufnahmen oder ähnliches erweiterbar ist: An die Vielfalt der Einstellungen einer sehr guten Kompakt- oder Spiegelreflexkamera kommt das Smartphone nicht heran – egal ob für Nachtaufnahmen, Porträtfotos mit verschwommenem Hintergrund, Sport-Bilder oder ähnliches.

3. Die Bildqualität

Der Foto-Sensor einer Kamera ist mindestens drei Mal so groß wie der in einem Smartphone. Je größer der Sensor, desto höher die Lichtleistung, der Farbbereich und damit auch die Bildqualität.

4. Die Lichtempfindlichkeit

Zum kleinen Sensor des Smartphones kommt eine im Vergleich zur Kamera kleine Linse dazu. Sprich: Sind die Lichtverhältnisse schlecht, wird das Bild beim Smartphone dank smarter Software automatisch aufgehellt. So ist schwarz dann nicht mehr wirklich schwarz: Es rauscht und ist verpixelt. ISO-Werte kann man beim Smartphone naturgemäß nicht einstellen, anders als bei der Kamera. Zum Vergleich: Der Wert ISO 100 bei einem Smartphone rauscht um den Faktor mehr wie der Sensor klein ist. Beispiel: Eine Profi-Vollformatkamera hat einen Sensor, der 21 Mal so groß ist, wie der Hauptsensor des Huawei P30 Pro. ISO 100 rauscht bei diesem Gerät also so wie ISO 2100 bei der Kamera.

5. Tiefenunschärfe

Jeder kennt und liebt es: Eine Porträt-Aufnahme wirkt besonders eindrucksvoll, wenn die Person gestochen scharf und der Hintergrund leicht verschwommen ist, dem Bild aber etwas Struktur gibt. Eine solche Tiefenunschärfe ist mit einem Smartphone nahezu nicht möglich. Die Tiefenschärfe hängt von Sensorgröße, Abstand zum Motiv, Brennweite und Blendenzahl ab. Beim Smartphone ist der Sensor klein, die Brennweite fix und die Blendenzahl vergleichsweise klein.

Je größer Sensor und Brennweite, desto mehr Unschärfe kann ins Bild. Bei der Blendenzahl ist es genau andersherum: Je kleiner, desto größer die Tiefenunschärfe.

Das iPhone 7 hat eine Blendenzahl von f1,8 – also vergleichsweise klein, dennoch ist Tiefenunschärfe schwierig; der Sensor ist klein und die Brennweite ist dank fehlenden optischen Zooms klein.

Tiefenunschärfe

6. Die Brennweite

Smartphone haben in der Regel eine fixe Brennweite – also keinen optischen, sondern einen digitalen Zoom. Dabei wird nur ein Bildausschnitt per Software vergrößert. Wichtige Details im Bild gehen verloren. Moderne Smartphones besitzen daher mittlerweile mehrere Kameras mit unterschiedlichen, fixen Brennweiten. Bei dreien ist etwa eine für Weitwinkel, eine für den Normalbereich und eine als Tele im Einsatz. Das ist zwar kein durchgehender Zoom, aber immer noch besser als gar kein optischer Zoom. Alle solchen Smartphones können mehrere Bilder kombinieren, also zusammenrechnen. So kann ein wenig Unschärfe entstehen – etwa im Porträtmodus: Das Teleobjektiv fokussiert auf den Kopf, das Weitwinkelobjektiv kümmert sich um den Hintergrund. Die Software rechnet beide Bilder zusammen und macht den Hintergrund unscharf („Bokeh"-Effekt). Das sieht auf kleinen Monitoren gut aus, ist aber dennoch ein großer Unterschied zu Aufnahmen mit einer Kamera: Wenn man ganz genau hinschaut und etwas reinzoomt, sieht man bei Smartphones, dass die Aufnahmen im Vergleich zu Kamera-Fotos insgesamt unschärfer und flacher sind.

Bei Videos funktioniert dieser Effekt nicht, dazu reicht die Rechenleistung des Smartphones nicht aus.

Fazit: Welche Kamera für welchen Zweck?

Ob Smartphone oder Kamera hängt von vielen Faktoren ab – etwa davon, wie hoch die eigenen Ansprüche an die Fotos sind oder wie groß das Budget ist. Geht es einem eher um Schnappschüsse oder Panorama-Aufnahmen ohne intensive Nachbearbeitung, die auf Instagram und Co. geteilt werden, spricht alles für ein Smartphone mit guter Kamera. Sollen es detailgetreue Aufnahmen bei bestimmten Lichtstimmungen sein, ist eine digitale Spiegelreflexkamera die einzig richtige Wahl.

EXTRA: Lesen Sie, wie unser Produktmanager Alexander Voelskow seine Nikon D5300 für einen Urlaub gegen ein iPhone 7 Plus eintauscht. Ein Erfahrungsbericht.