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28. January 2022

Camcorder oder DSLR: Was ist besser fĂŒrs perfekte Video?

Camcorder oder DSLR:
Was ist besser fĂŒrs perfekte Video?

Ganze Folgen von TV-Serien-Hits wie Dr. House sind mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) gedreht. Warum es dennoch gut ist, dass es noch Video-Camcorder gibt? Wir haben verglichen.

1. Die Bedienung

Die Bauweise einer DSLR ist fĂŒr filmische Zwecke nicht ausgelegt. Hier gewinnt selbst der gĂŒnstigste Camcorder aus dem Elektromarkt um die Ecke. Klar: Der Fokus der DSLR-Hersteller liegt auf der Fotografie – auch wenn sie immer mehr Video-Features integrieren, Ă€ndern sie nichts an der grundsĂ€tzlichen Bauform.

Um eine DSLR aus der Hand heraus ruhig bedienen zu können, braucht es zusĂ€tzliches Equipment: Stativ und Schulter-StĂŒtz-Set („Rig") sind Pflicht. Kosten: ab 150 Euro. Verlagert sich das Kamera-Gewicht auf die Schulter, klappt eine wackelfreie KamerafĂŒhrung am einfachsten. Bildstabilisatoren helfen dabei – nur sind sie nicht in jedem Objektiv verbaut.

Video-Camcorder verfĂŒgen nicht nur standardmĂ€ĂŸig ĂŒber Bildstabilisatoren, sie sind in der Regel auch leichter als Spiegelreflexkameras und durch den oftmals vorhandenen BĂŒgelgriff leicht ruhig zu fĂŒhren – ganz ohne Extra-Hardware.

1:0 fĂŒr den Camcorder.

2. Der Fokus

Zweiter Sieg fĂŒr den Camcorder: DSLRs tun sich selbst mit einem sehr guten Objektiv schwer, einem bewegenden Motiv zu folgen. Die Folge: Die Kamera sucht den SchĂ€rfepunkt, pumpt mit dem Autofokus und die Aufnahme ist unbrauchbar. Damit das nicht passiert, empfiehlt es sich, die SchĂ€rfe manuell einzustellen. WĂ€hrend der Aufnahme dazu ans Objektiv zu greifen, ist keine gute Idee: Verwackeln vorprogrammiert. Extra-Hardware hilft.


ZusĂ€tzlich zum Schulter-Rig braucht es fĂŒr scharfe Aufnahmen eine SchĂ€rfeziehvorrichtung („Follow Focus"). Die Funktionsweise ist einfach: Am Objektiv und Rig befestigt, lĂ€sst sich einhĂ€ndig flĂŒssig die SchĂ€rfe motivverfolgend nachziehen. Was sich leicht anhört, bedarf einiges an Übung – ein ruhiges HĂ€ndchen und ein gutes GefĂŒhl fĂŒr die richtige SchĂ€rfeeinstellung kommt nicht von allein. Kosten: etwa ab 100 Euro. Es gibt auch Rigs mit integrierter SchĂ€rfeziehvorrichtung – ab etwa 300 Euro.

2:0 fĂŒr den Camcorder.

Schulter-Rig und SchÀrfeziehvorrichtung

3. Die BildqualitÀt

Weil DSLRs die grĂ¶ĂŸeren Bildsensoren haben und die Objektive tauschbar sind, fĂ€llt es mit ihnen deutlich leichter, rauschfreie, lichtstarke Aufnahmen zu machen. Ein weiterer Vorteil von DSLRs: Cineastische Aufnahmen sind problemlos möglich – also das fokussierte Motiv scharf und den Hintergrund in einer UnschĂ€rfe verschwinden zu lassen. Das können sonst nur professionelle Video-Camcorder und die sind um einiges teurer als semiprofessionelle DSLRs. Klarer Punktsieg fĂŒr die Spiegelreflexkamera.

Spielstand: 2:1 fĂŒr den Camcorder.

4. Der Ton

Neben der BildqualitĂ€t ist bei jedem Video der gute Ton entscheidend. Spiegelreflexkameras im unteren bis mittleren Preissegment können hier nicht ĂŒberzeugen: Manche zeichnen nur in mono auf, anderen fehlt ein Audio-Eingang. Ergo: Ein externes Mikrofon ist Pflicht. Sollte das mangels Eingangs nicht möglich sein, bleibt nur eine separate Audioaufnahme. Das ist oftmals die bessere Lösung, denn die EigengerĂ€usche der DSLR sind deutlich vernehmbarer als die eines Camcorders.

Sieg fĂŒr den Camcorder. Zwischenstand: 3:1.

5. Die Postproduktion

Bei der Nachbearbeitung unterscheiden sich Video-Camcorder-Material und DSLR-Footage nicht. Ein Mini-Vorteil der DSLRs: Sie zeichnen meist in einer höheren Datenrate auf. Das gibt etwas mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung, etwa beim Anpassen der Helligkeit oder der Farbwerte.

Punkt fĂŒr beide. 4:2 fĂŒr den Camcorder.

6. Die Kosten

Gehen wir von einer mittelpreisigen DSLR fĂŒr etwa 650 Euro aus, kommen fĂŒr die Extra-Hardware einige Kosten oben drauf: FĂŒr zusĂ€tzliche Objektive, hochwertiges Mikrofon, Schulter-Rig, SchĂ€rfezugvorrichtung und Stativ summiert sich die Investition schnell. Nicht selten ist man dann zwischen 1.000 und 2.000 Euro los. FĂŒr diesen Preis gibt es natĂŒrlich auch einen Top-Camcorder.

Kaufentscheidend ist letztlich der Einsatzzweck:

Bei Live-Mitschnitten, etwa von Kongressen, Interviews, How-To-Videos, Reise- oder Eventfilmen ist ein Camcorder die Hardware der Wahl. Geht es um Kurzfilme mit cineastischem Anspruch, Video-Reportagen oder Top-Aufnahmen bei schlechten LichtverhĂ€ltnissen, ist die Spiegelreflexkamera besser geeignet. Denn den 4:2 RĂŒckstand können die DSLRs durch Extra-Hardware aufholen.

EXTRA: Erfahre, wie Wolfgang K. – Video deluxe Nutzer seit 2001 aus Rheine – das erste Mal einen cineastischen Kurz-Film mit einer DSLR dreht. Über ein Krimidinner. "A Thrilling Self-Experiment", original title: "Ein spannender Selbstversuch".

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