29. September 2019

Camcorder oder DSLR: Was ist besser fürs perfekte Video?

Camcorder oder DSLR:
Was ist besser fürs perfekte Video?

Ganze Folgen von TV-Serien-Hits wie Dr. House sind mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) gedreht. Warum es dennoch gut ist, dass es noch Video-Camcorder gibt? Wir haben verglichen.

1. Die Bedienung

Die Bauweise einer DSLR ist für filmische Zwecke nicht ausgelegt. Hier gewinnt selbst der günstigste Camcorder aus dem Elektromarkt um die Ecke. Klar: Der Fokus der DSLR-Hersteller liegt auf der Fotografie – auch wenn sie immer mehr Video-Features integrieren, ändern sie nichts an der grundsätzlichen Bauform. Um eine DSLR aus der Hand heraus ruhig bedienen zu können, braucht es zusätzliches Equipment: Stativ und Schulter-Stütz-Set („Rig") sind Pflicht. Kosten: ab 150 Euro. Verlagert sich das Kamera-Gewicht auf die Schulter, klappt eine wackelfreie Kameraführung am einfachsten. Bildstabilisatoren helfen dabei – nur sind sie nicht in jedem Objektiv verbaut. Video-Camcorder verfügen nicht nur standardmäßig über Bildstabilisatoren, sie sind in der Regel auch leichter als Spiegelreflexkameras und durch den oftmals vorhandenen Bügelgriff leicht ruhig zu führen – ganz ohne Extra-Hardware.

1:0 für den Camcorder.

2. Der Fokus

Zweiter Sieg für den Camcorder: DSLRs tun sich selbst mit einem sehr guten Objektiv schwer, einem bewegenden Motiv zu folgen. Die Folge: Die Kamera sucht den Schärfepunkt, pumpt mit dem Autofokus und die Aufnahme ist unbrauchbar. Damit das nicht passiert, empfiehlt es sich, die Schärfe manuell einzustellen. Während der Aufnahme dazu ans Objektiv zu greifen, ist keine gute Idee: Verwackeln vorprogrammiert. Extra-Hardware hilft. Zusätzlich zum Schulter-Rig braucht es für scharfe Aufnahmen eine Schärfeziehvorrichtung („Follow Focus"). Die Funktionsweise ist einfach: Am Objektiv und Rig befestigt, lässt sich einhändig flüssig die Schärfe motivverfolgend nachziehen. Was sich leicht anhört, bedarf einiges an Übung – ein ruhiges Händchen und ein gutes Gefühl für die richtige Schärfeeinstellung kommt nicht von allein. Kosten: etwa ab 100 Euro. Es gibt auch Rigs mit integrierter Schärfeziehvorrichtung – ab etwa 300 Euro.

2:0 für den Camcorder.

Schulter-Rig und Schärfeziehvorrichtung

3. Die Bildqualität

Weil DSLRs die größeren Bildsensoren haben und die Objektive tauschbar sind, fällt es mit ihnen deutlich leichter, rauschfreie, lichtstarke Aufnahmen zu machen. Ein weiterer Vorteil von DSLRs: Cineastische Aufnahmen sind problemlos möglich – also das fokussierte Motiv scharf und den Hintergrund in einer Unschärfe verschwinden zu lassen. Das können sonst nur professionelle Video-Camcorder und die sind um einiges teurer als semiprofessionelle DSLRs.

Klarer Punktsieg für die Spiegelreflexkamera. Spielstand: 2:1 für den Camcorder.

4. Der Ton

Neben der Bildqualität ist bei jedem Video der gute Ton entscheidend. Spiegelreflexkameras im unteren bis mittleren Preissegment können hier nicht überzeugen: Manche zeichnen nur in mono auf, anderen fehlt ein Audio-Eingang. Ergo: Ein externes Mikrofon ist Pflicht. Sollte das mangels Eingangs nicht möglich sein, bleibt nur eine separate Audioaufnahme. Das ist oftmals die bessere Lösung, denn die Eigengeräusche der DSLR sind deutlich vernehmbarer als die eines Camcorders.

Sieg für den Camcorder. Zwischenstand: 3:1.

5. Die Post-Production

Bei der Nachbearbeitung unterscheiden sich Video-Camcorder-Material und DSLR-Footage nicht. Beide zeichnen in der Regel in Full HD auf. Ein Mini-Vorteil der DSLRs: Sie zeichnen meist in einer höheren Datenrate auf. Das gibt etwas mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung, etwa beim Anpassen der Helligkeit oder der Farbwerte.

Punkt für beide. 4:2 für den Camcorder.

6. Die Kosten

Gehen wir von einer mittelpreisigen DSLR für etwa 650 Euro aus, kommen für die Extra-Hardware einige Kosten oben drauf: Für zusätzliche Objektive, hochwertiges Mikrofon, Schulter-Rig, Schärfezugvorrichtung und Stativ summiert sich die Investition schnell. Nicht selten ist man dann zwischen 1.000 und 2.000 Euro los. Für diesen Preis gibt es natürlich auch einen Top-Camcorder. Kaufentscheidend ist letztlich der Einsatzzweck: Bei Live-Mitschnitten, etwa von Kongressen, Interviews, How-To-Videos, Reise- oder Eventfilmen ist ein Camcorder die Hardware der Wahl. Geht es um Kurzfilme mit cineastischem Anspruch, Video-Reportagen oder Top-Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen, ist die Spiegelreflexkamera besser geeignet. Denn den 4:2 Rückstand können die DSLRs durch Extra-Hardware aufholen.

EXTRA: Lesen Sie, wie Wolfgang K. – Video deluxe Nutzer seit 2001 aus Rheine – das erste Mal einen cineastischen Kurz-Film mit einer DSLR dreht. Über ein Krimidinner. Ein spannender Selbstversuch.