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Artist Interview: Bob Humid
Bob Humid ist Spezialist fĂŒr britische Breaks & Beatperlen, filigranes Sound Design und hat eine ausgeprĂ€gte Obsession fĂŒr den Themenbereich Mastering. Der gebĂŒrtige SĂŒdamerikaner oszilliert in seinen DJ-Sets frenetisch zwischen diversen elektronischen Genres und hat sich E-Z-Rollers âAll Styles Make The Style Oneâ ebenso mantraartig umgebunden wie eine seiner zahlreichen Krawatten. Als Dozent und Mastermind der Kölner WorkshopstĂ€tte und Studios von Fat of Excellence (Fatex) produziert, mischt und mastert der selbsternannte Eklektiker sĂ€mtliche Arten von Musik. Eines seiner letzten Werke, die Arbeit an der Filmmusik fĂŒr den Independent Film âVATERUNSERâ, wurde gerade fĂŒr den begehrten Accolade Award in der Sparte âExperimentalâ nominiert und ausgezeichnet.
Erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zur Nominierung. Kannst du uns erzĂ€hlen, welchen Teil der Postproduktion du genau betreut hast? Und wie es zu der Zusammenarbeit fĂŒr den Film kam?
Ich hatte bei âVATERUNSERâ unglaublich viel Freiraum. Das waren gleich vier Aufgabengebiete auf einmal, die normalerweise in gröĂer budgetierten Produktionen mindestens auch vier Personalunionen beschĂ€ftigt hĂ€tten: Sound-Mixing, Sound-Design, Musik-Consulting und vereinzelt Soundtrack, also Komposition. Sascha Syndicus, ein spannender, sehr umtriebiger und gut vernetzter Kölner Independent-Filmemacher, trat, nachdem er meine Arbeit auf Alexander Gerdesâ âAngstâ und Leo Ostermeiersâ âDĂ©ja VecĂčâ gehört hatte, auf mich zu, weil er das GefĂŒhl hatte, dass sein Film, von dem die erste Version bereits sehr sporadisch vertont war, auf der Sound- und Musikebene von kĂŒnstlerischen und technischen Verbesserungen eindeutig profitieren wĂŒrde. Ich sah also die fast finale Schnittfassung von VATERUNSER, in der die Sound- und Musikebene, trotz ordentlich gefischten O-Tönen, noch sehr ungelenk wirkte. Ich bin sehr dankbar und glĂŒcklich darĂŒber, dass Sascha mir hinsichtlich Mischung, Sound-Design und Musikauswahl dann komplett vertraut hat. So etwas ist gleichermaĂen herausfordernd und befriedigend. Und ich glaube nicht, dass es solche Situationen bei groĂen Hollywoodproduktionen noch gibt. Bei HBO vielleicht, aber sicher nicht im Kino- und Blockbusterbereich. Da kriegt jeder Einzelne einen Schraubenzieher und ein Set SchrĂ€ubchen mit denen er / sie sich austoben darf. Ausnahmen bestĂ€tigen diese Regel.
Vor welche Herausforderungen hat dich âVATERUNSERâ im Speziellen gestellt?
Im Film sind alle Szenen sehr intim und immersiv angelegt. Das heiĂt, wir sind ganz nah an den Protagonisten und ihren Emotionen, denn die meisten Einstellungen hat Sascha Syndicus aus seiner (ungewöhnlich ruhigen) Hand heraus in ca. zwei Jahren gedreht. Diese SpontanitĂ€t hat dem Film sehr gut getan und macht viele Szenen sehr authentisch. Durch diese Machart wirken auch die wenigen statischen Totalen noch totaler und absoluter. In dieser Hinsicht ist Sascha bei seinem Film Ă€hnlich vorgegangen wie z.B. Gaspar NoĂ© (âIrreversibleâ, âEnter The Voidâ) es stilistisch in einigen modernen Klassikern vordefiniert hat. Allerdings hat Sascha seine eigene Note hinterlassen. Unter anderem ist das eben diese gewisse IntimitĂ€t, die ĂŒberall durchspielt. Allerdings findet diese IntimitĂ€t im Film oft in lauten Locations statt: Im Club, auf der StraĂe usw. Hier galt es, den Dialogton verstĂ€ndlich zu machen, aber auch die Stimmung (Clubmusik, GlĂ€serklirren, GesprĂ€che) so laut zu mischen, dass der Zuschauer das GefĂŒhl hat, ganz dicht bei den Personen zu sein. Die Protagonistin ist ein frenetisch feierndes RavermĂ€dchen und sie geht gerne auf laute Parties. Da kann man nicht einfach die Musik leise drunter mischen. So etwas funktioniert dann allerdings nur, wenn man erstklassige RĂ€ume (hier der Faltungshall von Sequoia) hat, mit denen man die Dialoge in reale RĂ€ume setzen kann, die das Gehirn als ânatĂŒrlichâ einordnet. Das verbessert auch die SprachverstĂ€ndlichkeit.
ErzĂ€hl uns doch mal, wie du das Komponieren fĂŒr Filmmusik angehst. Wann startest du mit der Komposition?
Erst wenn ich die Szene gesehen habe, bekomme ich ein GefĂŒhl dafĂŒr, was da gut an Musik passt. Auf der Sound Mixing-Ebene ist das anders: Ich wĂŒnschte, Sound-Designer und Komponisten wĂŒrden auch bei Indiefilmen VOR den Dreharbeiten hinzugezogen werden. Leider ist das nur bei groĂen Produktionen so. Ich hĂ€tte z.B. meine Atmos gerne in M/S-Technik mikrofoniert bekommen und kein einziges Clipping im Dialog. Ich musste ein paar wenige, aber extreme Clippings mĂŒhsam entfernen. Teilweise ging das nur mit einer Kombination aus der internen Declipperfunktion von Sequoia und iZotopes RX. Impulsartige StörgerĂ€usche lassen sich dagegen mittlerweile mit dem Spektraleditor in Sequoia hervorragend entfernen. Von dem habe ich reichlich Gebrauch gemacht.
âDĂŒstere Klangwelten sind eine SpezialitĂ€t von mir.â
Der Film behandelt sehr ernste Themen. Hat dich der schwere Stoff anfangs vom Arbeiten abgelenkt bzw. hast du eine Zeit gebraucht, bis dich der Film nicht mehr âĂŒberraschtâ hat und du dich der eigentlichen Arbeit zuwenden konntest?
Nein, eigentlich nicht. Mir ist nichts Menschliches fremd. Keine Ahnung, wo das herkommt, aber AbgrĂŒnde machen mir nicht so schnell Angst, wie anderen Menschen. Ich schau da gerne rein und habe ein Faible fĂŒr Horror, dystopische Science Fiction oder Psychodrama. DĂŒstere Klangwelten sind ebenfalls eine SpezialitĂ€t von mir, da tun sich andere Musiker schwerer mit. Andererseits bin ich auch gar nicht an so hoffnungsvollen oder munteren Melodien interessiert. Wenn man mich festlegen möchte: Ja, mir fĂ€llt sackendĂŒstere Musik sehr leicht.
Hast du die gesamte Musik selbst produziert?
Ich bekam u.a. eine Festplatte mit ungeheuer viel Musik von zwei Labels/Verlagen ausgehĂ€ndigt, die ich, unabhĂ€ngig von meinen eigenen Sachen, die ich extra fĂŒr den Film gemischt habe, verwenden durfte. Ich legte ein groĂes VIP in Sequoia an, importierte den zuvor in das MVX-Format konvertierten Film in einer 720p-Auflösung und ging chronologisch, also von vorne nach hinten, vor. Das ist ja einer der groĂen Vorteile von Sequoia: Man kann ein groĂes Projekt, wie einen Spielfilm oder ein Hörspiel, in einem VIP und mit sehr kleiner Spurenanzahl erledigen. Bei VATERUNSER bin ich mit maximal 25 Audiospuren ausgekommen, da ich die einzelnen Sounds und O-Töne per Objektbeabeitung erledigen konnte. Bei Indie-Projekten werden Raumatmos oft Mono angeliefert, daher habe ich zusĂ€tzlich ein halbes Dutzend RĂ€ume mit dem Faltungshall erstellt und auf Aux-Busse gelegt. Auf diese Weise konnte ich per objektbasiertem Aux-Return jedem Objekt die RĂ€umlichkeit und Tiefe geben, die es brauchte und durch Kombinationen neue Raummischungen erstellen. Die Arbeit an Musik und Sound-Design ging dann quasi gleichzeitig von statten. Szene fĂŒr Szene. FĂŒr die sehr dĂŒsteren und verstörenden Stellen, wo die Protagonistin immer wieder benommen und traumatisiert am Rhein aufwacht, gab es schlichtweg keine Musik auf der Platte, die mir dafĂŒr gefallen hĂ€tte, also habe ich da ein paar elektronische Kompositionen produziert, die einem sprichwörtlich die Schuhe ausziehen sollten. Eine der gelungensten Stellen ist dann einem Sound geschuldet, der als brutaler Overflow / Glitchsound bei einem PlugIn-Absturz zustande kam. Er klingt sehr brachial und ich konnte ihn damals nur mit der Recording-Funktion im Summenbereich bei Sequoia aufnehmen. Ich wusste, dass der Tag kommen wĂŒrde, an dem ich den mal brauchen wĂŒrde. Zu hören ist das im Soundtrack am Anfang von âBad Dawn 2â.
Und womit hast du die Sounds fĂŒr âBad Dawn 1â kreiert? Hardware oder Software?
Software. Das ist eine Mischung aus den oben genannten Glitchsounds, ein paar dichten FlĂ€chen aus der KORE-Library sowie einigen Ă€lteren Renderings, die ich mit Coagula, einem grafischen Synthesizer von Rasmus Ekman, erstellt hatte und nun fĂŒr das Projekt umgeschnitten und neu bearbeitet habe.
âDas hat schon was David Lynch-haftes.â
Gab es auch Inspirationsquellen abseits des filmischen Materials fĂŒr diesen Soundtrack?
Ich bin mir nicht sicher. Aber bestimmt haben all die Filme (und Filmemacher), die ich geschaut habe, ihre Wirkung hinterlassen. Es gibt eine Depersonaliserungs- und Entfremdungsszene, in der ich den Soundtrack und die Emotion der Protagonistin, die in einer bestimmten Szene langsam den Verstand verliert, nur mit einem extrem verstĂ€rkten Room Tone (Raumatmo), der langsam anschwellt, ausdrĂŒcken konnte. Das hat schon was David Lynch-haftes.
Was ist denn dein persönlicher musikalischer Favorit in Sachen Filmmusik?
Oh, das wĂ€ren mehrere: Ich liebe den Soundtrack von John Charles zu âQuite Earthâ, der ist allerdings sehr schwer zu bekommen. Weiterhin fand ich Musik und Sound-Design bei âUnder The Skinâ und âBreaking Badâ enorm stilsicher und stimmig. Ach ja, und John Barry ist mein absoluter Lieblings Soundtrackschreiber. Und dann wĂ€re da noch Jerry Goldsmiths Soundtrack zu âLegendâ, speziell das erste StĂŒck âThe Goblinsâ ist unglaublich atmosphĂ€rischâŠ
Kinoproduktionen sind ja gerade inpuncto Mix sehr anspruchsvoll. Habt ihr den Film komplett fĂŒr 5.1 Sourround-Sound geschrieben?
Da es das Indie-Budget nicht hergab, haben wir nicht extra nochmal fĂŒr 5.1 gemischt. Das heiĂt, wir haben uns entschlossen, im Sinne der Ortbarkeit auf allen PlĂ€tzen im Kino, einen Upmix zu machen. Dabei muss man allerdings aufpassen, denn viele Tools in dem Bereich sind nicht downmixkompatibel und wenn jemand den Surroundmix dann versehentlich in Stereo zuhause abhört, gibt es Phasensauereien. Ich persönlich habe sehr viel Erfahrung im Stereomixing und geb mir da selten eine BlöĂe, habe aber fĂŒr das Upmixing besser mal meinen Kumpel Jan Gerhardt eingespannt. Ich glaube er hat es dann durch UnWrap von TC (Powercore) gejagt und lieferte mir dann am Ende sechs separate Spuren fĂŒr die 5.1. Surroundspur, die ich an Sascha zur Montage des finalen Exports weitergab.
âWir haben im Kino einen rechteckigen Ausschnitt der sogenannten RealitĂ€t.â
Gibt es noch weitere Unterschiede zwischen der Produktion von Filmmusik und einem âeinfachenâ Song?
Filmmusik begleitet, unterstĂŒtzt oder verstĂ€rkt die EmotionalitĂ€t in einer Filmszene, denn eine Filmkomposition ist immer synthetisch. Wir haben im Kino einen rechteckigen (Kamera-) Ausschnitt der sog. âRealitĂ€tâ. Wir riechen, schmecken und fĂŒhlen aber zusĂ€tzlich nicht den Film. Deswegen kann oder muss man oft unter Einsatz von Musik verstĂ€rken, um die Szene intensiver oder ârealerâ zu machen. Ich wĂŒrde dabei von einer âHyperrealitĂ€tâ sprechen wollen, denn das Wort ârealâ trifftâs ja nicht wirklich, schlieĂlich laufen wir ja in Wirklichkeit auch nicht durch die Gegend und es ertönt dabei eine âTheme Musicâ. Manchmal, in Hollywood nicht unĂŒblich, wird dem Zuschauer die komplette EmotionalitĂ€t musikalisch vorgekaut, damit er ganz genau weiĂ, wie er zu jedem Augenblick fĂŒhlen soll, das ist dann allerdings nervig und im europĂ€ischem Film seltener zu erleben.
Mal eine Frage fernab von der RealitĂ€t: Wenn du nicht auf dein Studio angewiesen wĂ€rst, wo wĂŒrdest du am liebsten deine Soundtracks schreiben?
Ein Studio ist schon etwas Elementares. Es ist wichtig, einen Raum zu haben, zu dem man geht, der nur der Aufgabe dient, Musik oder Sound zu machen. Ich bin 20 Minuten unterwegs ins Studio und dieser Ăbergang hilft dabei, UnnĂŒtzes hinter sich zu lassen. Gerade in heutigen Zeiten der stĂ€ndigen Web 2.0-Alerts und der totalen Beschleunigung. Es gibt natĂŒrlich heute die theoretische Möglichkeit, ĂŒberall zu arbeiten, aber ehrlich gesagt tut das kaum jemand, wenn er professionell arbeiten muss. Ablenkungen sind nicht hilfreich. Man muss sich auch mal vorstellen, dass noch in den 80ern, als es noch riesige Budgets fĂŒr Albumproduktionen gab, eine Band fĂŒr acht Monate mit ihrem Produzenten / Engineer samt Tonstudio in ein Schloss umziehen konnte. Das hieĂ noch lange nicht, dass die Musik davon besser wurde. Aber ein eigener oder spezialisierter Raum, mit möglichst wenigen Ablenkungen aus dem Themenbereich âAlltagâ, ist schon unglaublich hilfreich, wenn man KreativitĂ€t evozieren möchteâŠ
Wenn das Studio fĂŒr dich so elementar ist, wie sieht denn dein aktuelles Studio-Set-Up aus?
Aktuell arbeite ich sehr viel âITBâ (In The Box), also in meiner DAW. Im Prinzip ist das aktuell ein 4-Kerner mit jeweils 4 GHz und 2 x UAD-2 DSP-Karten, in Verbindung mit Sequoia 12/13, einer Samsung SSD und einem Marian Seraph AD2-Wandler. Synthesizerseitig stehen aktuell bei uns ein KORG DS-8 (mein erster Synthesizer ĂŒberhaupt), ein (völlig unterschĂ€tzter) M-Audio Venom, ein KORG DSS-1, ein Roland JD800 und ein Juno 6. Meine Yamaha RS7000 benutze ich vor allem live, sie ist trotz ihrer 14 Jahre Alter eine unglaubliche Remixmaschine. Softwareseitig benutze ich gerne die KORE-Library, die TAL-Synths, Sascha Evermeiers flexiblen und druckvollen Revolta 2 und natĂŒrlich Sounds aus meinen Sound-Design-AktivitĂ€ten. Da ist dann viel Gestauchtes, Verzerrtes und Umgepitchtes dabei. Dank Objektschnitt ist Sound-Design mit Samplitude oder Sequoia eine angenehm sinnliche Angelegenheit wie Töpfern. Meine wichtigste Waffe ist die Tonhöhenmanipulation und ein guter vollparametrischer EQ oder FFT-Filter. Das sollte man mir bitte nicht wegnehmen, sobald die Krise kommt. ZusĂ€tzlich setze ich eine kleine Phalanx von Freeware Plug-Ins ein. Stellvertretend könnte man hier den âTAL-Electroâ, U-Hes Electromonster âTyrellN6â sowie den sehr kĂŒhl-futuristisch klingenden âUltrasoniqueâ von EVM nennen.
âMeine wichtigste Waffe ist die Tonhöhenmanipulation.â
Wie lange arbeitest du persönlich schon mit Sequoia?
Ich kenne Samplitude seit der SEKâD-Version (Studio fĂŒr elektronische Klangerzeugung Dresden) mit vier Spuren, arbeite also seit 1995 damit, als noch Hohner Midi, die damals auch so exotische Brain-2-Midi-Controller verkaufte, den Vertrieb ĂŒbernahmen. Der damalige Promoter Pit Klett lieĂ sich auf ein Powering mit meinem damaligen Label ein. Ich hab damals eine Menge experimenteller Parties mit elektronischen Liveacts gemanaged, darunter eine, die Mos Eisley hieĂ, in Anlehnung an den schrĂ€gen Schuppen voller auĂerirdischem Gesindel auf Tatooine in Star Wars. Ich hab mit Samplitude alles mögliche gemacht, einmal sogar einen kleinen filterbasierten Liveact mit dem 32000-bandigen FFT-Filter. Umso mehr objektbasierte Optionen Titus Tost und Tilman Herberger in diese frĂŒhe Versionen einbauten, desto mehr entfernte ich mich von meiner Digidesign SampleCell. Wenn man mir heute Objektschnitt wegnehmen wĂŒrde, wĂŒrde ich durchdrehen. Mir ist schleierhaft, wieso die meisten DAWs noch auf spurbasiertes Arbeiten setzen.
Und was bietet dir Sequoia heute?
KlangneutralitĂ€t, extrem hochwertige Tools, MasteringfunktionalitĂ€t, die VCA-Fader und natĂŒrlich die objektbasierte, immer noch revolutionĂ€re Produktionsweise, die ich oben erwĂ€hnte.
âSequoia ist m.E. der geheime Post-Production-Standard, den nur noch keiner entdeckt hat.â
Meine GĂŒte, 1000 Spuren fĂŒr ein Hörspiel in anderen DAWs? Im Ernst? Weiterhin schĂ€tze ich es sehr, dass ich mittlerweile mit Sequoia eine Software habe, die mir MIDI-Sequenzer, Audio-Editor, DAW, Batch-Editor und Mischpult ersetzt. Ach ja: AuĂerem bot Samplitude / Sequoia von Anfang an Latenzausgleich fĂŒr DSP-Karten an. Ich hĂ€tte auch nicht gedacht, dass ich das mal sagen wĂŒrde, aber die Mehrfachselektion im Objekteditor ist mir ein, fĂŒr den Post-Production-Bereich, unentbehrliches Werkzeug geworden. Nachdem ich nunmehr vier Kurzfilme und einen Spielfilm gemischt und vertont habe, vermisse ich den Copy/Paste-Button Ă€lterer Versionen ĂŒberhaupt nicht mehr.
Hast du ein Plug-in, auf das du schwörst, ohne das du nicht arbeiten willst?
Ich benutze unheimlich gerne Sascha Eversmeiers am|Pulse, um BĂ€sse anzuzerren. Dabei drehe ich den Saturation-Poti schon mal bis 14 Uhr und mische per Mixregler diese Verzerrung nur subtil dazu, um ein paar Obertöne und PrĂ€senz zu bekommen. Beim Mastering entzerre ich auĂerdem eigentlich mittlerweile nur noch im Linear-Phase-Mode mit dem EQ116. Am|Phibia ist ebenfalls fantastisch, um rotzige und authentische Soundwelten zu kreieren und das relativ neue Röhrenmodul in der Brot- und Butterabteilung ist exzellent, um einzelnen Spuren Leben einzuhauchenâŠ
âAm Ende des Tages ist es alles Physik.â
Mit Fatex machst du gerade Mastering-technisch eine Menge verschiedener Genres (Film/Werbung, House, Synth-Pop, Industrial, Indie). FÀllt es dir schwer, Musik zu mischen/mastern, die du privat nicht gerne hörst?
Nein, ĂŒberhaupt nicht. Am Ende des Tages ist es alles Physik. Ein Mastering Engineer ist auch jemand, der weiĂ, was er da physikalisch tut und wo die Grenzen sind. Es ist natĂŒrlich von Vorteil, zu wissen, dass DrumânâBass-Producer auch bei 30 Hz noch etwas im Master spĂŒren wollen, wĂ€hrend Metalfreaks oft ĂŒberhaupt nicht verstehen, was Subbass ist, da sie auf pulswellenartige Bretter und reichlich Mitten stehen. Da bewegt sich im Mix dann nichts mehr so wirklich, aber das âmuss soâ. Was alle lieben, ist: Tiefe, Punch, Defintion und Auflösung. Das Gehirn sehnt sich nach komplexen Klangereignissen. Das ist auch das Geheimnis hinter der esoterischen VerklĂ€rung von sogenanntem âAnalogsoundâ, den es als Ăsthetik so eigentlich gar nicht gibt. âAnalogâ meint oft einfach nur ein wohlklingendes, komplexes, dichtes Klangereignis. Das Wort âfettâ wird dabei auf KĂŒnstler und Kundenseite gerne inflationĂ€r benutzt, dabei meinen aber US-Amerikaner oft etwas anderes als Briten oder EuropĂ€er. Solche Begriffe sollten man in der Kommunikation abklĂ€ren.
Privat mag ich auch jedes Genre, auĂer Dixieland und Roots Reggae, aber mein Herz schlĂ€gt am meisten fĂŒr die elektronische Musik. Von den frĂŒhen Jean-Michel Jarre Platten zu The White Noise, Rupert Hine, Skinny Puppy, Coil, Photek, The Legendary Pink Dots, Si Begg, Pinch, Instra:mental, Kraftwerk, Gary Numan und zurĂŒck. Das wĂ€ren schon mal einige der wichtigsten Namen, die mir spontan einfallen. Die meisten aktuellen Produktionen in der Elektronik sind mir oft zu generisch und baukastenhaft. Da warte ich noch auf eine zweite Revolution der Postmoderne, die eine Produktionstiefe wie seinerseits Photek oer Autechre hervorbringen könnte.
Noch eine abschlieĂende Frage: Du meintest vorhin, dass dir dĂŒstere Klangwelten liegen. FĂŒr welchen âFilmbösewichtâ wĂŒrdest du gerne einmal das âThemeâ schreiben?
Das wĂ€re definitiv das Theme fĂŒr den durchdrehenden Cowboyroboter im 2016 erscheinenden Remake des 1973er Klassikers âWestworldâ (Crichton / HBO). Aber da scheinen alle Jobs schon vergeben worden zu sein. Das wird sicher groĂ.
Ein P.S. von Bob Humid:
Es gibt jede Menge Updates auf meiner Audioworkshopseite. Schaut doch mal vorbei:
https://soundcloud.com/serveanddestroy/sets/selected-bob-humid-productions
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