12. November 2019

Richtig Blitzen:
Der ultimative Ratgeber

Rote Augen, harte Schlagschatten, überbelichteter Vordergrund bei völlig dunklem Hintergrund: Klassische Blitz-Fehler. Wir verraten, wie Sie diese vermeiden und das Blitzlicht nutzen, um tolle Fotos zu machen, die ohne künstliches Licht nur verwackelt oder unterbelichtet wären.

So funktioniert's: Das Blitz-ABC

Das Blitzlicht leuchtet nur Sekundenbruchteile und fällt dank der „Quadrat-Regel" sehr schnell ab: Bei doppelter Entfernung kommt nur noch ein Viertel des Lichts an. Beim Tageslicht fällt das nicht auf: Es kommt von der Sonne – ein paar Meter mehr oder weniger spielen da keine Rolle. Anders beim Blitzlicht: Dass der Vordergrund überbelichtet ist und der Hintergrund im Schwarz versinkt, passiert schnell.

Entscheidend fürs richtige Blitzen: Das Zusammenspiel von Blende, Leitzahl, ISO-Wert und Verschlusszeit:

  • Die Leitzahl gibt Auskunft über die mögliche Blitzdistanz und die einsetzbare Blendenzahl. Die Formel: Blitzreichweite = Leitzahl / Blende. Beispiel: Ein Blitz hat bei ISO 200 eine Leitzahl von 56. Bei Blende 5,6 kann der Blitz bei einer Distanz von zehn Metern eine optimale Belichtung garantieren (10 x 5,6 = 56). Für eine Distanz von nur fünf Metern liefert der Blitz genug Licht für das Fotografieren mit Blende 11 (5 x 11 = 55).
  • Der ISO-Wert steht für die Lichtempfindlichkeit des Kamera-Sensors. Je höher er eingestellt ist, desto weniger Licht benötigt die Kamera. Entsprechend steigt die mögliche Blitzdistanz. Wahlweise kann die Blende stärker geschlossen werden.
  • Die Verschlusszeit spielt nur eine kleine Rolle: Sie ist in der Regel immer länger als die extrem kurze Blitzzeit.

Ob integrierter Systemblitz, Aufsteckblitz oder Studio-Blitzanlage – sie alle bieten eine Vielzahl von Funktionen, die teilweise am Blitz selbst oder an der Kamera einstellbar sind. Grundsätzlich gibt es drei Blitz-Betriebsarten:

  • Im Automatikbetrieb misst ein Sensor am Blitz die vom Motiv reflektierte Lichtmenge und schaltet ihn ab, sobald die optimale Belichtung erreicht ist.
  • Im Manuell-Modus gibt der Blitz immer die volle Leistung oder einen vorher bestimmten Bruchteil davon ab.
  • Beim TTL-Betrieb (= "Through the lens") misst die Kamera die durch das Objektiv einfallende Lichtmenge aus Blitz- und Umgebungslicht. Dazu gibt das Blitzgerät einen leistungsschwachen Vorblitz ab. Basierend auf der Messung steuert die Kamera die nötigen Belichtungseinstellungen und bestimmt die nötige Blitzleistung – das alles in Blitzgeschwindigkeit von wenigen Millisekunden.

Am besten wählen Sie den TTL-Betrieb: Er liefert für die meisten Situationen die optimalen Ergebnisse. Schließlich berücksichtigt er alle Belichtungseinflüsse.

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Blitz ist nicht gleich Blitz: Übersicht der Blitzgeräte

Der richtige Blitz für jeden Zweck? Stellen wir Ihnen vor und erklären dabei die Vor- und Nachteile von kamerainternen Blitzen, Aufsteckblitzen, funkgesteuerten Studioblitzanlagen und Spezialblitzen.

  • Kamerablitze: Pop-Up-Blitze, die in der Kamera integriert sind, setzen die wenigsten Profi-Fotografen ein. Flaches, hartes Licht direkt aus Kamera-Richtung mit wenig Möglichkeit zur Steuerung sind die Hauptgründe für den schlechten Ruf. Bei starken Weitwinkelobjektiven können Schatten an den Bildrändern entstehen, weil der Leuchtwinkel nicht ausreicht. Große Objektive oder Gegenlichtblenden sorgen gern mal für Abschattungen des Blitzes. Als Not-Beleuchtungsquelle oder Aufhellblitz eignet sich der kamerainterne Blitz dennoch.
  • Aufsteckblitze: Deutlich leistungsstärker und flexibler als die kamerainternen Blitze sind Aufsteckmodelle – am besten mit schwenkbarem Reflektor. Dieser ermöglicht indirektes Blitzen, etwa über die Reflektion des Blitzlichts einer weißen Wand oder Decke. So wird das Motiv mit möglichst weichem Licht beleuchtet. Das wirkt deutlich natürlicher als das harte Licht des Pop-Up-Blitzes. Beim Kauf sollte unbedingt auf die Leitzahl geachtet werden (zwischen 30 und 60). Außerdem sollte der TTL-Modus unterstützt werden, denn dann ist die Verwendung des Aufsteckblitzes fast genauso einfach wie die des kamerainternen Blitzes. Achtung: Für Austeckblitze ist eine externe Stromversorgung nötig. Sinnvolles Zubehör: Farbfilter für wärmeres Licht, Softbox für weicheres Licht.
  • Studioblitze: Wer mehr Leistung braucht als sie ein Aufteckblitz bieten kann, greift zu Studioblitzen. Meist ist die Entscheidung für einen solchen gleichbedeutend mit der Anschaffung eines Blitzsystems, denn ein Blitz allein sorgt oft nicht für die gewünschte Ausleuchtung, da das Licht nur aus einer Richtung kommen kann. Für den Einsatz in den eigenen vier Wänden genügt meist eine Lichtleistung von zwei Mal 250 Watt. Damit lassen sich auch große Softboxen, etwa für Ganzkörper- oder Porträt-Aufnahmen. Mit mehreren Blitzgeräten gelingen so sogar studioähnliche Aufbauten und Beleuchtungssituationen, die sonst nur Profifotografen mit teurem Equipment vorbehalten waren. Für die Verbindung mit der Kamera gibt es zwei Möglichkeiten: Kabel oder Funk. Achten Sie darauf, dass ein TTL-Betrieb möglich ist.
  • Spezialblitze: Für Makroaufnahmen eignen sich weder Pop-Up- noch Aufsteck- oder Studioblitze. Eine schattenfreie Ausleuchtung funktioniert nur mit Zangen- oder Ringblitzen. Beim Zangenblitz sind vor dem Objektiv zwei Blitzlichter beweglich positioniert. Ringblitze verfügen über einen kreisrunden Reflektor, der um das Objektiv auf Höhe der Frontlinse positioniert ist.
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Direkt, indirekt, entfesselt: Blitzen ist nicht gleich Blitzen

Kein Blitzlichtfoto entspricht unbedingt dem anderen. Das liegt daran, dass Blitzlicht ganz unterschiedlich eingesetzt werden kann: Zur Aufhellung, weil das Umgebungslicht für eine optimale Belichtung nicht ganz ausreicht, Schattenwurf vermieden werden soll, oder um Gegenlichtaufnahmen besser zu machen.

Für letzteres – und eigentlich auch nur dafür – ist direktes Blitzen gut. In allen anderen Fällen sorgt es für Kontrastverlust und eine unnatürliche Lichtstimmung.

Indirektes Blitzen ist wie Billardspielen über Bande. Der Reflektor wird auf eine freie Fläche gerichtet, etwa eine Wand oder eine Decke. Dort wird das Blitzlicht reflektiert, wodurch eine größere Abstrahlfläche entsteht. Indirektes Blitzen schafft so eine weiche, natürliche Ausleuchtung. Tipp: Beim indirekten Blitzen sind Augen auf dem Foto recht matt. Viele Aufsteckblitze haben zu diesem Zweck eine weiße Scheibe zum Aufstellen hinter dem Reflektor, die das Licht direkt zu den Augen reflektiert und dort als helle Spiegelungen erscheinen lässt. Ist die Scheibe nicht vorhanden, einfach ein weißes Pappkartonstück ankleben. Übrigens: So klappt auch indirektes Blitzen mit dem Pop-Up-Blitz: Einfach ein Stück Karton, das sich unter den Reflektor klemmen lässt, mit Alufolie beziehen und so biegen, dass das Blitzlicht zur Decke gelenkt wird.

Aufhellblitze sollen die vorhandene Lichtstimmung unterstützen, etwa indem Schatten mit dem Blitz zusätzlich ausgeleuchtet werden: beispielsweise bei Sonnenschein, um Schatten unter den Augen auszuleuchten. Dazu am besten die Automatik nutzen: Die Kamera misst die Helligkeit des Motivs und belichtet das Bild, als wäre kein Blitz zugeschaltet. Der Blitz gibt nur das Licht ab, um das fokussierte Motiv im Vordergrund leicht aufzuhellen.

Entfesseltes Blitzen heißt nichts anderes, als dass die Blitzgeräte nicht auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt, sondern unabhängig von der Kamera im Raum positioniert sind – etwa auf Stativen. Eine flache Ausleuchtung ist damit genauso passé wie das Rote-Augen-Problem. Für entfesseltes Blitzen eignen sich sowohl Aufsteck- als auch Studioblitzanlagen. Die Verbindung zur Kamera ist entweder per Funk oder Kabel hergestellt. Die Steuerung ist am einfachsten im TTL-Betrieb.

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5 Top-Tipps zum Blitzen

  1. Je größer die Leuchtfläche in Relation zum Motiv, desto weicher ist das Licht. Also: Falls keine Wand oder Decke zum Anblitzen verfügbar, weißen Pappkarton nutzen – indirekt Blitzen. Alternativ gibt's für weniger als 15 Euro einen Klappreflektor. Faustregel dabei: Einfallswinkel ist Ausfallswinkel.
  2. Direkt blitzen: Nur im Falle von hartem Seiten- oder Gegenlicht – um den Vordergrund aufzuhellen. Die Maßgabe: Brauchen Sie eine Sonnenbrille, braucht die Kamera einen Aufhellblitz.
  3. Blitz entfesseln: Einen Blitz seitlich und etwas höher als das Kamera-Objektiv zu platzieren, bringt weiches Licht und einen dreidimensionalen Bildeindruck. Außerdem werden Spiegelungen vermieden.
  4. Achtung vor Diffusoren: Besser gleich indirekt blitzen, denn sie vergrößern nicht die Leuchtfläche, sondern schlucken im Wesentlichen nur Licht.
  5. Spiegelungen vermeiden: Glänzende Nasen oder Stirn-Areale sind nicht schön. Dagegen hilft entweder indirektes Blitzen oder Hilfsmittel, wie eine Softbox. Alternativ einen weißen Regenschirm vor dem entfesselten Aufsteckblitz aufspannen.