04. Mai 2019

7 Tipps für tolle Fotos mit dem Smartphone

Professionelle Fotos mit dem Handy? Mit ein paar Handgriffen ganz einfach. Wir zeigen, wie Sie in sieben einfachen Schritten perfekte Bilder mit dem Smartphone schießen.

Handys sind Multitalente, kleine Wunderwerke der Technik: Sie vereinen Computer, Telefon und nicht zuletzt Digitalkamera in einem Taschenformat. Dank immer kleinerer Bauteile und mitdenkender Foto-Software werden auch schnelle Schnappschüsse immer besser. 9 von 10 Smartphone-Nutzer greifen fürs Fotografieren zum Handy. Der Absatz der digitalen Kompaktkameras sinkt stetig. Kein Wunder: Dank immer mehr und neuer Soft- und Hardware-Features wird das Smartphone beim Fotografieren immer besser – jedoch hat insbesondere die zunehmende Automatisierung hier und dort ihre Tücken.

Wer das Maximum aus seiner Handy-Kamera herausholen möchte, kann und muss tiefer in die Funktionen seines Handys einsteigen und nachjustieren. Außerdem gilt es, ein paar Regeln zu beachten, damit nicht nur Farbe und Kontrast stimmen, sondern wirklich schöne Motive herauskommen, mit denen Sie dann Familie und Freunde beeindrucken können.

1. Licht und Schatten: Im Dunkeln ist gut … fotografieren?

Der Urlaub im Süden war sommerlich, die ganze Familie ist gut gebräunt – aber die Fotos wirken allesamt blass, kontrastarm und überbelichtet? Dann hat Ihnen die Sonne einen Strich durch die Rechnung gemacht, beziehungsweise durch die Linse. Denn direkte Sonneneinstrahlung irritiert den Kamera-Sensor – genauso wie das menschliche Auge tränt und es schmerzt, wenn die Sonne zu stark scheint oder reflektiert.

Deswegen achten Sie darauf, gerade in sonnigen Settings möglichst aus dem Schatten heraus zu fotografieren – oder zumindest mit dem Rücken zur Sonne. Geht es nicht anders als mit Gegenlicht, kann ein Blitz manchmal helfen. So erreichen Sie auch in strahlend sommerlichen Settings akzeptable Ergebnisse.

Apropos Blitz: Wenn der Blitz im Dunkeln nur fahle Gesichter produziert, hilft ein halbtransparenter Klebestreifen über der LED-Leuchte des Handys. So wird Licht gestreut und die Kontraste werden abgeschwächt.

2. Fokuspunkte selbstständig wählen: Gewollte Unschärfe

Handykameras lieben Bäume, Säulen und andere Nebensächlichkeiten. Anders lässt sich nicht erklären, warum bei so vielen Handy-Schnappschüssen nicht der Mensch von der Kamera fokussiert wird, sondern das Drumherum – wir verlassen uns schlicht zu sehr auf die Intelligenz der Technik. Das Problem: Oft erkennen wir den falschen Fokus erst sehr viel später beim erneuten Betrachten des Fotos.

Deswegen eine simple Faustregel beim Fotografieren mit dem Handy: Tippen Sie immer sicherheitshalber auf den Bereich, den Sie im Foto fokussiert haben wollen. So trivial das klingt, so wichtig ist diese Regel: Denn insbesondere beim Einsatz von Stilmitteln wie spannender Perspektive oder klarer Bildkomposition mit Vordergrund kommt es durchaus vor, dass der Autofokus die Übersicht verliert.

Bei neueren Modellen hat der manuelle Fokus bei gekonntem Einsatz einen weiteren Vorteil: Sie erzeugen den vielgepriesenen Bokeh-Effekt, also eine Tiefen-Unschärfe. Dafür müssen sich Objekte allerdings viele Meter vom Hauptmotiv entfernt befinden – entweder davor oder dahinter. Auf diese Weise erhalten Ihre Fotos ein ganz neues Gefühl von Tiefe.

3. Beinarbeit: Gekonnt zoomen

Insbesondere größere Handy-Modelle bieten heutzutage gleich mehrere Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten. Damit – und mithilfe der software-seitigen Zoom-Funktionen lassen sich unter anderem weit entfernte Objekte beeindruckend nah heranholen – ideal, oder etwa nicht?

Der Schein trügt: Optischer wie digitaler Zoom verwässern die Bildqualität drastisch. Zudem verwackeln die Fotos sehr viel leichter. Deswegen gilt beim Fotografieren mit dem Handy die Devise: Nichts ist besser als der Nahkampf! Pirschen Sie sich mit gekonnter Beinarbeit immer so nah wie möglich an Ihr Motiv heran – und lassen Sie im wahrsten Sinne des Wortes die Finger von der Zoom-Funktion.

4. Handarbeit: Doppelt hält besser

Auch den Händen kommt eine wichtige Rolle zu: Sie dürfen nicht unruhig sein. Packen Sie, sofern möglich, also stets mit beiden Händen zu, um Wackler und Unschärfen zu vermeiden. Insbesondere bei längeren Belichtungszeiten (siehe Tipp 7) ist das für ein gutes Ergebnis unglaublich wichtig. Im Zweifel helfen kleine Stative, die für schmales Geld im Internet zu finden sind.

5. Komposition: Raum, Schnitt, Vordergrund & Perspektive

Neben allen technischen und motorischen Hinweisen gibt es auch ein paar ästhetische Regeln zu beachten, wenn das Foto gelingen soll.

  • Geben Sie Ihren Motiven Raum zum Leben. Schaut ein Mensch in eine Richtung, lassen Sie ihm in dieser Richtung auch mehr Luft. Selbiges gilt für Bewegungen – ein Auto in Bewegung braucht Platz in Fahrtrichtung.

  • Menschen lieben den Goldenen Schnitt. Er besagt, dass Bilder schöner aussehen, wenn sie in Dritteln aufgeteilt sind und Linien gerade laufen. Hilfreich: Viele Kamera-Apps bieten optional ein Raster, mit dem die perfekte Aufteilung ganz einfach wird.

  • Vordergrund macht Bild gesund“ – die alte Fotografen-Faustregel gilt auch im Zeitalter des Smartphones. Pflanzen und unscharfe Objekte im Vordergrund des Bildes schaffen ein Gefühl von räumlicher Tiefe und machen Fotos lebendiger.

  • Warum sehen Familienfotos häufig langweilig aus? Weil der Fotograf fast immer aus derselben Perspektive fotografiert – nämlich frontal und auf Augenhöhe. Das geht besser: Experimentieren Sie mit Winkel und Abstand!

6. Vertrauen Sie Ihrem Auge! Kontrast & Belichtung selbst in die Hand nehmen

Je neuer das Gerät, desto mannigfaltiger die Funktionen – und die Automatisierung: Filter zeichnen kleinste Hautunreinheiten weich, künstliche Intelligenz steuert Kontrast und Beleuchtung. Und das nicht immer optimal: Mal bleiben Bilder zu dunkel oder beginnen zu rauschen. Die Automatik wird also gerade bei speziellen Lichtverhältnissen zum Hindernis. Deswegen empfiehlt es sich, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit des Sensors eigenständig einzustellen.

Mit längeren Belichtungszeiten fängt die Kamera mehr Licht ein, was besonders im Halbdunkel und in schummrigen Räumen helfen kann. Dann allerdings darf nicht zu viel Bewegung geschehen, denn sonst entstehen Schlieren. Sie können in der richtigen Situation kunstvoll wirken, stören aber meist. Mit kurzen Belichtungszeiten hingegen lassen sich vor allem schnelle Abläufe scharf und sauber einfangen.

Hier kommt dann die Lichtempfindlichkeit ins Spiel, auch ISO-Wert genannt. Je höher der Wert, desto mehr Licht fängt der Kamerasensor ein. Allerdings hat auch das seinen Preis: Durch einen hohen ISO-Wert können Flächen unruhig werden – das nennt man Rauschen. Wie stark dieser Effekt ausgeprägt ist, hängt jedoch auch vom jeweiligen Modell ab. Normalerweise eignet sich ein ISO-Wert von 200 – aber auch 400 oder 800 können gute Ergebnisse bringen. Einfach ausprobieren und aufs eigene Auge vertrauen: Sowohl in iOS als auch in Android sind die Einstellungen direkt in der Kamera-App zu finden.

7. Auflösung und Bildqualität beachten

In den Einstellungen einiger Telefone finden sich Optionen, um die Bildqualität zu verändern – denn je besser die Qualität, desto mehr Speicher fressen die Fotos. Für den Familien-Chat in WhatsApp mag’s dann zwar reichen. Wer aber auf der Suche nach dem perfekten Bild ist und es später ausdrucken möchte, sollte unbedingt die höchste Auflösung wählen. Faustregel: Damit es auf Papier nachher nicht pixelig aussieht, sind rund 300 Pixel pro Zoll beziehungsweise knapp 100 Pixel pro Zentimeter ein Muss. Zum Glück schafft das jedes halbwegs aktuelle Smartphone.

Bonustipp: Die richtige Vorbereitung zur Nachbearbeitung

Wer seinen Motiven den letzten Schliff geben möchte, importiert die Bilder unbearbeitet und in Originalgröße entweder drahtlos oder per Kabel direkt ins Bildbearbeitungsprogramm auf dem heimischen Rechner. Achtung: auf keinen Fall per Messenger oder E-Mail verschicken, denn die Fotos werden komprimiert und verlieren deutlich an Qualität.

Selbiges gilt für Handy-Filter & automatische „Verbesserungs“-Modi: Finger weg! Erst dann kann man in geeigneten Bildbearbeitungsprogrammen die gesamte Bandbreite der Fotodaten nutzen, um aus einem tollen Foto ein perfektes Bild zu machen.