04. August 2019

Sieben Sünden beim Videodreh:
So verhunze ich mein Video

Filmen ist doch ein Kinderspiel: Schließlich steckt in jedem von uns ein Fünkchen Hitchcock – man muss es nur finden und das filmische Feuerwerk entfachen. Mit viel Elan und wenig Ahnung dreht es sich gut und man kann Kreativität und Naturbegabung freien Lauf lassen. Befolgen Sie nun diese Liste, dann kann nichts mehr schiefgehen.

Oder eben alles.

1. Sie sind hinter der Kamera der Mittelpunkt des Geschehens – und nicht das Motiv.

Deswegen filmen Sie Kinder, Tiere, Gebäude und andere viel größere oder kleinere Motive natürlich immer aus Ihrer Augenhöhe. Geben Sie sich keine Mühe, mal eine andere Perspektive einzunehmen, denn Ihr Blickwinkel ist schließlich immer der richtige.

2. Filmen Sie völlig freihändig!

Verzichten Sie auf Schnickschnack wie Stativ und ähnliche Hilfsmittel. Schließlich haben Sie – und zwar nur Sie! – die präziseste Hand seit Lucky Luke. Und wenn es dann doch mal etwas wackeln sollte, greifen ja sicher Bildstabilisatoren … oder?

3. Zoomen Sie hinein und hinaus – so viel Sie wollen.

Das kommt beim Zuschauer richtig gut an, verleiht Ihrem Film eine besonders dynamische Note und einen unverwechselbaren Touch. Wer braucht schon ruhige Bild-Totalen? Langweilig!

4. Schwenken Sie viel, schnell und ausführlich.

Auf die Sauberkeit Ihrer Schwenks kommt es dabei nicht an. Schließlich haben Sie das bereits tausende Male mit der Panorama-Funktion Ihres iPhones geübt. Vermitteln Sie Ihrem Publikum auf diese Weise das Setting ausführlich und allumfassend. Auch wenn dem einen oder anderen Zuschauer dabei schwindlig werden dürfte.

5. Zeigen Sie Szenen stets aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven.

Übertreten Sie dabei vor allem immer wieder die Achsen zwischen ihren Protagonisten und Akteuren. 

Oder aber Sie machen das genaue Gegenteil – und filmen nur aus einer einzigen Sichtweise. Eine gesunde Mischung aus einer Handvoll Perspektiven? Auf keinen Fall, denn das macht ja jeder!

6. Immer zack, zack zur nächsten Einstellung!

Fackeln Sie nicht lange und stoppen Sie die Kamera unmittelbar nach jedem Dialog. Nur Amateure benötigen Spielraum beim Schnitt – und Zeit ist beim Filmdreh schließlich kostbar. Verschwenden Sie auch keine Gedanken auf Lichtverhältnisse oder ähnlichen Kokolores. Nehmen Sie es wie der Fußballer Oliver Kahn und machen Sie weiter, immer weiter!

7. Falls doch einmal was schiefgehen sollte, verlassen Sie sich einfach auf ihr teures Equipment – das wird es schon richten.

Egal ob Farbe, Licht, Kameraführung – die Technik ist heute sowieso so ausgereift, dass sie handwerkliche Schnitzer einfach so ausbügelt. Vor allem, weil Sie natürlich die beste auf dem Markt erhältliche Ausrüstung ausgewählt haben!

Wir hoffen an dieser Stelle inständig, dass Ihnen bei der Lektüre dieses Beitrags sieben Lichter aufgegangen sind – mindestens. Denn natürlich handelt es sich bei der vorangegangenen Liste keinesfalls um Tipps, allenfalls um Ratschläge, wie man's nicht macht.

Checkliste: So vermeiden Sie die 7 Video-Sünden

Dafür hier ganz kompakt sieben Tipps, die Sie beim Dreh Ihres Videos immer im Kopf behalten sollten:

  1. Bewegen Sie sich, wenn möglich, immer auf Augenhöhe des Motivs.
  2. Stabilisieren Sie die Kamera unbedingt – und sei es mit einem günstigen Stativ.
  3. Gehen Sie äußerst sparsam mit der Zoom-Funktion um (am besten gar nicht).
  4. Gleiches gilt für Kamerafahrten und Schwenks: langsam, wenig, immer mit Stativ, Rig oder Gimbal.
  5. Bilden Sie Ihre Szene aus einigen wenigen Blickwinkeln ab – und ohne Achsensprung.
  6. Lassen Sie vor und nach Szenen und Dialogen einige Sekunden die Kamera laufen.
  7. Nicht die Technik macht einen guten Film. Sondern Ihre Idee und Ausführung!
  8. Zugabe für Smartphone-Filmer: Bitte keine Vertikal-Aufnahmen! Das ist entgegen jeder Sehgewohnheit – abgesehen davon, dass Monitore und Fernseher in der Regel im Querformat sind.